Die Wachau ist nicht nur für ihren Wein und ihre Marillen berühmt. Die warmen, terrassierten Hänge entlang der Donau, die Trockenmauern und lichten Wälder bilden auch einen idealen Lebensraum für die Äskulapnatter (Zamenis longissimus) – mit bis zu zwei Metern die längste Schlange Österreichs.
Die Schlange des Heilgottes
Kaum eine Schlange ist kulturell so präsent: Die Äskulapnatter ist das Tier, das sich um den Äskulapstab windet – das Symbol der Medizin und Apotheken. Schon die Römer hielten die ruhigen, kletterfreudigen Tiere in ihren Heiltempeln. Manche heutigen Vorkommen nördlich der Alpen gehen vermutlich auf solche römischen Ansiedlungen zurück.
Eine Kletterin von Format
Was mich an dieser Art immer wieder fasziniert, ist ihre Eleganz beim Klettern. Dank einer speziellen Bauchschuppen-Kante kann die Äskulapnatter nahezu senkrechte Stämme und Mauern erklimmen. Nicht selten findet man sie in Hecken, alten Obstbäumen oder sogar in Dachstühlen alter Gehöfte, wo sie Mäuse jagt.
Mein Fund an diesem Tag: ein gut anderthalb Meter langes Tier, das sich reglos auf einer Trockenmauer sonnte und bei meiner Annäherung ruhig, fast würdevoll, im Mauerwerk verschwand.
Sanftmütig und ungefährlich
Trotz ihrer Größe ist die Äskulapnatter vollkommen harmlos. Sie ist ungiftig, beißt nur äußerst selten und tötet ihre Beute – Mäuse, Ratten, junge Vögel – durch Umschlingen. Für den Menschen ist sie nichts als ein imposanter, eleganter Anblick.
Lebensraum bewahren
Die Art ist auf strukturreiche, warme Kulturlandschaften angewiesen: Trockenmauern, Lesesteinhaufen, Hecken, alte Obstgärten. Wo diese verschwinden, verschwindet auch die Äskulapnatter. Die Wachau zeigt, wie wertvoll traditionell bewirtschaftete Landschaften für unsere Tierwelt sind.
Mehr über die elegante Kletterin im Lexikon.
Bildnachweise: Titelbild: GT1976 (CC BY-SA 4.0) · Foto 1: Dietmar Foelsche (CC BY-SA 3.0 AT) · Foto 2: Bernard Dupont (CC BY-SA 2.0) — via Wikimedia Commons.