Grundwissen · Biologie · Anatomie
Schlangen — Die Biologie
Innere Anatomie — klicke eine Nummer für die Beschreibung
- Anatomie & Körperbau
- Sinnesorgane
- Häutung
- Das Giftsystem
- Fortbewegung
- Ernährung & Jagd
- Fortpflanzung
- Thermoregulation & Winterruhe
- Verteidigung & Feinde
- Lebensraum & Verbreitung
- Schlange & Mensch
- Geschichte & Evolution
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01 — Anatomie & Körperbau
Anatomie & Körperbau
Der Schlangenkörper ist eine konsequente Anpassung an eine langgestreckte, gliedmaßenlose Lebensweise. Die Wirbelsäule besteht je nach Art aus etwa 200 bis über 400 Wirbeln, die jeweils ein Paar bewegliche Rippen tragen. Da ein Brustbein fehlt, sind die Rippen vorne nicht verbunden und können sich weit spreizen — die Grundlage dafür, dass Schlangen Beute verschlingen können, die deutlich umfangreicher ist als ihr eigener Kopf.
Der Schädel ist ein Meisterwerk der Beweglichkeit. Ober- und Unterkiefer sind nicht starr verwachsen, sondern über elastische Bänder und ein bewegliches Quadratbein miteinander verbunden. Die beiden Unterkieferhälften lassen sich vorne auseinanderdehnen, sodass die Beute regelrecht über die zurückgekrümmten Zähne hinweg in den Schlund gezogen wird. Anders als der Volksglaube behauptet, renkt sich der Kiefer dabei nicht aus.
Auch die inneren Organe folgen der schlanken Bauform: Sie sind nicht paarig nebeneinander, sondern hintereinander versetzt angeordnet. Die linke Lunge ist bei den meisten Arten stark zurückgebildet oder fehlt ganz, während die rechte Lunge extrem verlängert ist. Leber, Nieren und Geschlechtsorgane sind langgestreckt. Eine Harnblase fehlt; Stickstoff wird wassersparend als Harnsäure ausgeschieden — ein Vorteil in trockenen Lebensräumen.
Die Haut ist von überlappenden Hornschuppen bedeckt, die aus Keratin bestehen und nicht einzeln wachsen, sondern als zusammenhängende Oberhaut. Die breiten Bauchschuppen (Ventralia) verleihen beim Kriechen Halt. Schlangen besitzen keine beweglichen Augenlider; das Auge wird von einer durchsichtigen Schuppe, der Brille, geschützt.
02 — Sinnesorgane
Sinnesorgane
Das wichtigste Sinnesorgan der Schlange ist ihr chemischer Spürsinn. Mit der gespaltenen Zunge nimmt sie ständig Duftmoleküle aus Luft und Boden auf und führt sie dem Jacobson-Organ (Vomeronasalorgan) am Gaumendach zu. Die zweizinkige Form erlaubt sogar ein räumliches Riechen: Erreicht die linke oder rechte Zungenspitze mehr Duftstoffe, weiß das Tier, in welche Richtung die Spur führt.
Das Sehvermögen ist je nach Lebensweise unterschiedlich ausgeprägt. Tagaktive, jagende Arten wie die Zornnattern besitzen scharfe Augen, während grabende Arten oft nur hell und dunkel unterscheiden. Schlangen haben kein klassisches Gehör mit Außenohr oder Trommelfell; sie nehmen jedoch Bodenvibrationen über den Kieferknochen wahr, der die Schwingungen an das Innenohr weiterleitet.
Eine herausragende Spezialisierung findet sich bei den Grubenottern und vielen Pythons und Boas: wärmeempfindliche Grubenorgane zwischen Auge und Nasenloch. Diese Infrarot-Sensoren registrieren Temperaturunterschiede von Bruchteilen eines Grades und erlauben es, warmblütige Beute selbst in völliger Dunkelheit als thermisches Bild zu orten. Die heimischen Vipern Europas besitzen diese Organe allerdings nicht.
03 — Häutung
Häutung
Da die Hornschuppen nicht mitwachsen, müssen Schlangen ihre Oberhaut regelmäßig erneuern. Junge, schnell wachsende Tiere häuten sich häufiger als ausgewachsene; im Schnitt vier- bis achtmal pro Jahr. Die Häutung (Ecdysis) ist zugleich Wachstumsschritt und Regeneration: Verletzungen und Parasiten der alten Haut werden mit abgestreift.
Eine bevorstehende Häutung kündigt sich deutlich an. Zwischen alter und neuer Hautschicht bildet sich eine Lymphflüssigkeit, wodurch die Tiere matt und milchig wirken und sich die Brille über dem Auge bläulich-trüb verfärbt. In dieser Phase sehen Schlangen schlecht, ziehen sich zurück und sind besonders reizbar. Nach einigen Tagen klart das Auge wieder auf.
Zum Abstreifen reibt die Schlange den Kopf an rauem Untergrund, bis die Haut an den Lippen aufplatzt. Anschließend kriecht sie regelrecht aus ihrer alten Hülle heraus, die sich dabei wie ein umgestülpter Strumpf von innen nach außen wendet. Im Idealfall bleibt das sogenannte Natternhemd am Stück erhalten — ein vollständiger Abdruck inklusive der durchsichtigen Augenschuppen.
04 — Das Giftsystem
Das Giftsystem
Schlangengift ist hochentwickelter, modifizierter Speichel, der in paarigen Giftdrüsen hinter den Augen produziert wird. Es ist ein komplexes Gemisch aus Proteinen und Enzymen und dient in erster Linie dazu, Beute zu töten und ihre Verdauung einzuleiten — die Verteidigung ist nur eine sekundäre Funktion. Grob unterscheidet man neurotoxische Gifte, die das Nervensystem lähmen, und hämotoxische Gifte, die Blut und Gewebe angreifen.
Der Zahnapparat verrät die Strategie. Vipern wie die Kreuzotter besitzen lange, hohle Klappzähne, die im Ruhezustand nach hinten eingeklappt sind und beim Biss wie Injektionsnadeln aufgerichtet werden. Kobras und Verwandte haben kürzere, fest stehende Furchenzähne im vorderen Oberkiefer. Viele harmlose Nattern sind Hinterzähner: Ihre vergrößerten Furchenzähne sitzen weit hinten und spielen für den Menschen kaum eine Rolle.
In Mitteleuropa ist die Giftfrage weit weniger dramatisch, als oft angenommen. Die Kreuzotter (Vipera berus) ist die einzige weit verbreitete Giftschlange Österreichs und Deutschlands; im Alpenraum kommen die Aspisviper und im Südosten die Sandviper hinzu. Ihre Bisse sind für gesunde Erwachsene nur selten lebensbedrohlich, sollten aber stets ärztlich behandelt werden.
Bemerkenswert ist, dass Gift evolutionär teuer ist. Eine Schlange dosiert es sparsam und gibt bei reinen Abwehrbissen häufig gar kein oder nur wenig Gift ab — sogenannte Trockenbisse. Das unterstreicht, dass das Giftsystem primär ein Werkzeug zum Beuteerwerb ist und nicht zur Aggression gegen größere Tiere wie den Menschen.
05 — Fortbewegung
Fortbewegung
Obwohl Schlangen keine Gliedmaßen besitzen, verfügen sie über ein erstaunlich vielseitiges Bewegungsrepertoire. Die mit Abstand häufigste Methode ist das seitliche Schlängeln (laterale Undulation): Der Körper wird in S-förmige Wellen gelegt, die sich nach hinten fortpflanzen und sich gegen Unebenheiten, Steine oder Pflanzen abstützen. Auf vollkommen glattem Untergrund versagt diese Technik, weil der nötige Widerstand fehlt.
Für enge Gänge und Felsspalten nutzen Schlangen den Ziehharmonika-Gang (Konzertina-Bewegung): Der hintere Körperteil wird verankert, der vordere vorgestreckt, dann verankert sich der vordere und der hintere wird nachgezogen. Auf losem Sand kommt das eindrucksvolle Seitenwinden (Sidewinding) zum Einsatz, bei dem nur zwei kurze Körperabschnitte den Boden berühren und das Tier seitlich versetzt vorankommt — eine Spezialität von Wüstenvipern.
Große, schwere Arten wie Pythons beherrschen zudem das geradlinige Kriechen (rektilineare Bewegung). Dabei wandern wellenförmige Muskelkontraktionen über die breiten Bauchschuppen, die sich abwechselnd aufstellen und abstoßen — die Schlange gleitet schnurgerade und nahezu unsichtbar vorwärts. In allen Fällen sind die beweglichen Rippen und die kräftige Rumpfmuskulatur der Motor der Bewegung.
06 — Ernährung & Jagd
Ernährung & Jagd
Alle Schlangen sind reine Fleischfresser. Das Beutespektrum reicht je nach Art und Größe von Insekten, Regenwürmern und Fischen über Amphibien, Eidechsen und andere Schlangen bis zu Vögeln und Säugetieren. Viele Arten sind Nahrungsspezialisten: Die Würfelnatter etwa jagt fast ausschließlich Fische, während die Schlingnatter bevorzugt Eidechsen erbeutet.
Zur Überwältigung der Beute haben sich zwei große Strategien herausgebildet. Würgeschlangen wie die Äskulapnatter umschlingen ihr Opfer mit mehreren Körperschlingen und ziehen diese bei jedem Ausatmen enger — die Beute stirbt nicht durch Knochenbrüche, sondern durch Kreislaufstillstand. Giftschlangen hingegen injizieren ihr Gift und lassen die gelähmte oder getötete Beute oft erst los, um sie anschließend zu verfolgen und zu verschlingen.
Das Verschlingen selbst ist einzigartig im Tierreich. Dank des beweglich aufgehängten Kiefers und der dehnbaren Haut zwischen den Schuppen kann eine Schlange Beute mit dem mehrfachen Durchmesser ihres eigenen Kopfes aufnehmen. Die nach hinten gekrümmten Zähne verhindern dabei ein Entkommen; abwechselnde Kieferbewegungen schieben das Opfer Stück für Stück in den Schlund.
Da das Erlegen und Verdauen großer Beute enorm energieaufwändig ist, fressen Schlangen selten, dafür ergiebig. Nach einer großen Mahlzeit ziehen sie sich zur tagelangen Verdauung zurück; die aggressive Magensäure löst selbst Knochen und Zähne weitgehend auf. Manche große Arten kommen mit wenigen Mahlzeiten pro Jahr aus.
07 — Fortpflanzung
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung der Schlangen ist erstaunlich vielfältig. Die Mehrheit der Arten ist eierlegend (ovipar) und legt weichschalige, pergamentartige Eier an warme, feuchte Orte wie Komposthaufen, morsches Holz oder Laubstreu. Die Ringelnatter nutzt gezielt die Gärungswärme verrottender Pflanzen als natürlichen Brutkasten.
Andere Arten sind lebendgebärend (vivipar beziehungsweise ovovivipar): Die Eier entwickeln sich im Mutterleib, und die Jungen kommen fertig entwickelt zur Welt. Diese Strategie ist vor allem in kühlen Klimazonen und im Gebirge von Vorteil, weil die Mutter den Embryonen durch Sonnen konstante Wärme bieten kann. Die Kreuzotter, die bis weit in den Norden und in hohe Lagen vordringt, ist ein klassisches Beispiel.
Der Paarung gehen bei vielen Arten Rivalenkämpfe der Männchen voraus — ein ritueller Kommentkampf, bei dem die Tiere die Vorderkörper aufrichten und einander niederzudrücken versuchen, ohne zu beißen. Männchen besitzen ein paariges Begattungsorgan (Hemipenis). Brutpflege ist die Ausnahme: Die meisten Jungschlangen sind von Geburt an vollständig selbstständig, tragen bei Giftschlangen bereits funktionsfähiges Gift und müssen sich allein durchschlagen.
08 — Thermoregulation & Winterruhe
Thermoregulation & Winterruhe
Als wechselwarme (ektotherme) Tiere können Schlangen ihre Körpertemperatur nicht durch den Stoffwechsel erzeugen, sondern regulieren sie über das Verhalten. Morgens suchen sie sonnenexponierte Plätze wie warme Steine, Wegränder oder Totholz auf, um auf Betriebstemperatur zu kommen; bei Überhitzung ziehen sie sich in den Schatten oder unter die Erde zurück. Diese Sonnenbäder sind keine Trägheit, sondern aktive Temperatursteuerung.
Die richtige Körpertemperatur ist für nahezu alle Lebensvorgänge entscheidend — von der Verdauung über die Bewegungsgeschwindigkeit bis zur Entwicklung der Embryonen. Deshalb meiden Schlangen sowohl zu kühle als auch zu heiße Bedingungen und sind in unseren Breiten vor allem im Frühjahr und Frühsommer tagaktiv, im Hochsommer hingegen oft dämmerungsaktiv.
In den kalten Monaten halten heimische Schlangen eine Winterstarre, die fachlich als Brumation bezeichnet wird. Sie ziehen sich in frostfreie Verstecke unter der Frostgrenze zurück — in Erdhöhlen, Felsspalten, Wurzelwerk oder verlassene Tierbauten. Stoffwechsel, Herzschlag und Atmung werden stark heruntergefahren. Nicht selten überwintern mehrere Tiere, manchmal sogar verschiedener Arten, gemeinsam in solchen Winterquartieren.
09 — Verteidigung & Feinde
Verteidigung & Feinde
Schlangen stehen selbst auf dem Speiseplan zahlreicher Tiere — Greifvögel, Reiher, Störche, Igel, Marder, Wildschweine und sogar andere Schlangen zählen zu ihren Fressfeinden. Ihre erste und wichtigste Verteidigung ist daher die Tarnung: Eine ruhig liegende, gemusterte Schlange verschmilzt fast vollständig mit Laub, Geröll oder Gras und entgeht so der Entdeckung.
Wird ein Tier dennoch gestellt, folgt meist die Flucht. Erst wenn diese versperrt ist, kommt ein abgestuftes Drohrepertoire zum Einsatz: lautes Zischen, Aufblähen oder Abflachen des Körpers, das Aufrichten des Vorderkörpers und blitzschnelle Scheinattacken mit geschlossenem Maul. Die Kreuzotter etwa warnt deutlich, bevor sie als letztes Mittel zubeißt.
Einige Arten haben besondere Tricks entwickelt. Die Ringelnatter stellt sich bei Gefahr regungslos tot, dreht den Bauch nach oben und entleert dabei ein übel riechendes Sekret aus der Kloakendrüse, das Fressfeinde abschreckt. Andere ahmen in Färbung oder Verhalten gefährlichere Arten nach (Mimikry). Der Biss ist bei wehrhaften Arten stets das allerletzte Mittel der Wahl.
10 — Lebensraum & Verbreitung
Lebensraum & Verbreitung
Schlangen haben fast alle Lebensräume der Erde erobert — von tropischen Regenwäldern und Wüsten über Steppen und Feuchtgebiete bis ins Hochgebirge und sogar ins offene Meer. Nur die polaren Regionen, die höchsten Gipfel und einige Inseln wie Irland, Island oder Neuseeland sind von Natur aus schlangenfrei. Diese Inseln wurden nach der letzten Eiszeit nie wieder von Schlangen erreicht.
Jede Art ist eng an ihren bevorzugten Lebensraum angepasst. Die Würfelnatter ist stark ans Wasser gebunden und eine hervorragende Taucherin, die Kreuzotter besiedelt kühle Moore, Heiden und sonnige Gebirgshänge bis über 2.000 Meter Höhe, und die wärmeliebende Äskulapnatter bevorzugt strukturreiche, sonnige Laubwälder und alte Trockenmauern. Solche Mikrohabitate mit Sonnenplätzen, Verstecken und Winterquartieren sind überlebenswichtig.
In Mitteleuropa ist die Artenzahl im Vergleich zu den Tropen gering, steigt aber nach Süden deutlich an: Während in Österreich und Deutschland nur eine Handvoll Arten vorkommt, beherbergt der mediterrane Raum mit seinem warmen Klima eine weit größere Vielfalt. Lebensraumverlust durch intensive Landnutzung, Verbauung und das Verschwinden von Trockenmauern und Säumen ist heute die größte Bedrohung für die heimischen Schlangen.
11 — Schlange & Mensch
Schlange & Mensch
Kaum eine Tiergruppe ist so von Mythen und Furcht umgeben wie die Schlangen — dabei sind sie scheue Tiere, die den Menschen meiden, wo sie können. Die weit verbreitete Angst beruht überwiegend auf Vorurteilen statt auf realer Gefahr. Tatsächlich nützen Schlangen dem Menschen, indem sie Mäuse und andere Kleinnager regulieren und so ein wichtiges Glied der Nahrungskette bilden.
Bei einer Begegnung im Freien gilt: Ruhe bewahren und Abstand halten. Fast alle Bisse passieren, wenn Menschen Schlangen fangen, ärgern oder versehentlich auf sie treten. Wer einen Sicherheitsabstand wahrt und das Tier ungestört seines Weges ziehen lässt, hat nichts zu befürchten. Festes Schuhwerk und aufmerksames Gehen in bekanntem Schlangengebiet beugen Unfällen wirksam vor.
Sollte es doch zu einem Giftbiss kommen, ist das Wichtigste, ruhig zu bleiben und die betroffene Gliedmaße ruhigzustellen, um die Verteilung des Gifts zu verlangsamen. Anschließend ist umgehend ärztliche Hilfe aufzusuchen. Veraltete Hausmittel wie Aussaugen, Abbinden oder Aufschneiden der Wunde richten mehr Schaden an als Nutzen und sind unbedingt zu unterlassen.
Alle heimischen Schlangenarten sind in Österreich und Deutschland gesetzlich streng geschützt. Es ist verboten, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Lebensräume zu zerstören. Aufklärung und der Erhalt naturnaher Lebensräume sind der Schlüssel, damit diese faszinierenden Tiere auch künftig Teil unserer Natur bleiben.
12 — Geschichte & Evolution
Geschichte & Evolution
Schlangen sind stammesgeschichtlich aus echsenartigen Reptilien hervorgegangen und gehören gemeinsam mit den Echsen zur Gruppe der Schuppenkriechtiere (Squamata). Ihre Ursprünge reichen weit ins Erdmittelalter zurück: Fossilien belegen schlangenartige Tiere bereits in der Kreidezeit vor rund 100 Millionen Jahren, und einzelne Funde deuten auf noch ältere Wurzeln im Jura hin.
Besonders aufschlussreich sind Fossilien wie Najash aus Argentinien — eine urtümliche Schlange, die noch voll ausgebildete Hinterbeine und ein Kreuzbein besaß. Solche Funde zeigen, dass die Vorfahren der Schlangen ihre Gliedmaßen schrittweise zurückbildeten. Bis heute tragen ursprüngliche Gruppen wie Pythons und Boas als lebende Zeugen dieser Entwicklung winzige Reste des Beckens sowie sichtbare Aftersporne — Überbleibsel der einstigen Hinterbeine.
Ob die Vorfahren der Schlangen zunächst grabend im Boden oder schwimmend im Wasser lebten, wird in der Forschung noch diskutiert. Der Verlust der Gliedmaßen, die Verlängerung des Körpers, der hochbewegliche Schädel und der Rückgang des Sehsinns zugunsten des chemischen Spürsinns gelten jedoch als Anpassungen an ein Leben in Engräumen und im Verborgenen.
Aus diesen Anfängen ist eine der erfolgreichsten Wirbeltiergruppen überhaupt geworden: Heute sind weltweit rund 4.000 Schlangenarten bekannt, und es werden laufend neue beschrieben. Sie besiedeln nahezu jeden Kontinent und zahllose Lebensräume — ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie erfolgreich der scheinbare Nachteil der Beinlosigkeit evolutionär genutzt wurde.