Sie ist die Schlange, der die meisten Menschen in Mitteleuropa am ehesten begegnen – und trotzdem wird sie oft falsch eingeschätzt: die Ringelnatter (Natrix natrix). Naturschutzverbände rücken die ungiftige Wasserliebhaberin immer wieder ins Zentrum von Kampagnen, um für heimische Reptilien und ihre Lebensräume zu werben. Sie steht damit stellvertretend für eine ganze Lebensgemeinschaft.
Eine Allerweltsart? Nicht mehr selbstverständlich
Lange galt die Ringelnatter als „Allerweltsart”. Doch auch die häufigen Arten geraten unter Druck: Verbaute Ufer, trockengelegte Feuchtgebiete und das Verschwinden von Kleingewässern nehmen ihr Lebensraum und Beute. Wo Frösche und Molche fehlen, fehlt auch die Ringelnatter.
Das Erkennungszeichen
Unverwechselbar sind die beiden gelb-weißen Halbmondflecken im Nacken, oft schwarz umrandet. Dazu eine runde Pupille und ein schlanker Körper – Verwechslungen mit der Kreuzotter lösen sich beim genauen Hinsehen schnell auf. Im Westen Europas wurde übrigens die sehr ähnliche Barren-Ringelnatter (Natrix helvetica) mittlerweile als eigene Art abgetrennt.
Meisterin der Täuschung
Bedrängt man eine Ringelnatter, greift sie zu Theater statt Biss: Sie zischt, plattet den Kopf ab, um eine Viper vorzutäuschen, und stößt ein streng riechendes Sekret aus. Hilft das nicht, stellt sie sich mit offenem Maul und heraushängender Zunge tot – eine der eindrucksvollsten Schauspielleistungen der heimischen Tierwelt.
Was jede:r tun kann
- Kleingewässer und Feuchtbiotope erhalten und neu anlegen.
- Komposthaufen anbieten – die ideale Eiablagestelle.
- Tiere in Ruhe lassen und Funde an lokale Naturschutz- oder Citizen-Science-Projekte melden.
Mehr Aufmerksamkeit für die Ringelnatter heißt am Ende: mehr Aufmerksamkeit für gesunde Gewässer – wovon unzählige Arten profitieren. Der Steckbrief wartet im Lexikon.
Bildnachweise: Titelbild: Henk Monster (CC BY 3.0) · Foto 1: Sara Lindgren von Bothmer (CC BY-SA 4.0) · Foto 2: Piet Spaans (CC BY-SA 2.5) — via Wikimedia Commons.