Dass in einem so gut erforschten Kontinent wie Europa noch neue Wirbeltierarten entdeckt werden, ist selten. Genau das geschah aber 2016 mit der Walser-Viper (Vipera walser) – einer Otter, die nördlich von Biella im italienischen Piemont auf einer winzigen Fläche lebt.
Verwechselt mit der Kreuzotter
Äußerlich ähnelt die Walser-Viper stark der Kreuzotter: gedrungener Körper, dunkles Zickzackband, senkrechte Pupille. Lange hielt man die Tiere schlicht für eine isolierte Kreuzotter-Population. Erst genetische Untersuchungen brachten die Überraschung: Die Walser-Viper ist gar nicht am nächsten mit der Kreuzotter verwandt, sondern mit den Ottern des Kaukasus – tausende Kilometer entfernt.
Ein lebendes Relikt
Die Erklärung: Die Walser-Viper ist ein Reliktendemit. Ihre Vorfahren waren einst weit verbreitet; mit den Eiszeiten zogen sich die Bestände zurück, und in einem kleinen Alpenwinkel überdauerte eine isolierte Linie über Jahrtausende. Ihren Namen verdankt sie den Walsern, einer alemannischen Volksgruppe, die seit dem Mittelalter genau diese Hochtäler besiedelt.
Klein, selten, schützenswert
Das gesamte Verbreitungsgebiet umfasst nur wenige hundert Quadratkilometer – das macht die Art extrem anfällig für Lebensraumverlust und Klimawandel. Sie gilt als gefährdet und ist streng geschützt. Ihr Gift ähnelt dem der Kreuzotter: für den Menschen schmerzhaft, aber selten lebensbedrohlich.
Warum das wichtig ist
Die Geschichte der Walser-Viper zeigt zweierlei: wie viel wir selbst über unsere heimische Tierwelt noch nicht wissen – und wie wertvoll genetische Methoden für den Artenschutz sind. Eine Population, die man für „nur ein paar Kreuzottern” hielt, entpuppte sich als einzigartige, unersetzliche Art.
Der Steckbrief findet sich im Lexikon.
Bildnachweise: Titelbild: Benny Trapp (CC BY-SA 4.0) · Foto 1: marcosaggioro (CC BY 4.0) · Foto 2: HerrVillhelm (CC BY-SA 4.0) — via Wikimedia Commons.