Wenn die Mittagssonne auf das warme Geröll am Flussufer brennt, beginnt für die Würfelnatter (Natrix tessellata) die beste Zeit des Tages. Diese unauffällige, oliv- bis graubraune Natter ist die am stärksten ans Wasser gebundene Schlange Europas – und in Österreich nur an wenigen, warmen Flussabschnitten zu finden.

Eine Jägerin unter Wasser

Anders als die Ringelnatter, die gern Amphibien frisst, hat sich die Würfelnatter fast vollständig auf Fische spezialisiert. Sie taucht geschickt, durchstöbert die Uferzone und kann minutenlang unter Wasser bleiben. Ihre namensgebende würfelartige Fleckenzeichnung tarnt sie perfekt zwischen den Kieseln.

Würfelnatter am steinigen Flussufer
Perfekt getarnt: Die würfelförmigen Flecken verschmelzen mit dem Geröll. Foto: Andrey Butko · CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Geduld zahlt sich aus

Ich sitze still auf einem Felsblock und warte. Wer hektisch am Ufer entlangläuft, sieht nichts – die Tiere flüchten bei Erschütterung sofort ins Wasser. Nach einer halben Stunde dann die Belohnung: Ein schmaler Kopf hebt sich aus der Strömung, gleitet ans Ufer und legt sich auf einen sonnenwarmen Stein. Kurz darauf ein zweites Tier.

Wehrhaft, aber harmlos

Fühlt sich eine Würfelnatter bedroht, hat sie ein beeindruckendes Repertoire: Sie plattet den Körper ab, zischt und gibt aus der Kloake ein übel riechendes Sekret ab. Manche stellen sich sogar tot. Was sie nicht tut: gefährlich werden. Die Würfelnatter ist vollkommen ungiftig und für den Menschen harmlos.

Würfelnatter sonnt sich am Wasser
Sonnenbad mit Fluchtweg: Beim kleinsten Stören verschwindet die Natter im Wasser. Foto: Andrey Butko · CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Eine Art unter Druck

Die Würfelnatter braucht saubere, fischreiche und vor allem naturnahe Gewässer mit strukturreichen Ufern. Verbauung, Begradigung und Störung durch Freizeitnutzung setzen ihr stark zu. Wer sie beobachtet, sollte daher besonders rücksichtsvoll sein: aus der Distanz schauen, Uferzonen nicht zertreten, Hunde fernhalten.

Für mich gehört ein Nachmittag an einem warmen Flusslauf, mit der Aussicht auf diese heimliche Schwimmerin, zu den schönsten Beobachtungen des Sommers. Mehr zur Art im Lexikon.


Bildnachweise: Titelbild: MehmetNasuh1949 (CC BY-SA 4.0) · Foto 1 & 2: Andrey Butko (CC BY-SA 3.0) — via Wikimedia Commons.